Zum Inhalt
Politik· Ratgeber

Ministerrat: Wie die Bundesregierung ihre Beschlüsse fasst

Jeden Mittwoch tritt in Wien die Bundesregierung zusammen. Was im Ministerrat beschlossen wird und warum dort alle zustimmen müssen.

Von Presseinfo Redaktion10. Oktober 2026, 09:17aktualisiert 22. Oktober 2026
Leerer Regierungstisch in historischem Saal als Symbolbild zum MinisterratKI-generiert
Leerer Regierungstisch in historischem Saal als Symbolbild zum Ministerrat. Symbolbild, KI-generiert. Zeigt kein reales Ereignis.

Der Ministerrat ist das Gremium, in dem die Bundesregierung gemeinsam entscheidet. Er tritt in der Regel jeden Mittwoch im Bundeskanzleramt am Ballhausplatz zusammen. Wer verstehen will, wie Gesetze entstehen und warum Koalitionen um Kompromisse ringen, sollte die Regeln des Ministerrats kennen.

Dem Ministerrat gehören der Bundeskanzler, die Vizekanzlerin oder der Vizekanzler sowie alle Bundesministerinnen und Bundesminister an. Den Vorsitz führt der Bundeskanzler. Staatssekretärinnen und Staatssekretäre nehmen an den Sitzungen teil, haben aber kein Stimmrecht. Sie unterstützen die Ministerien, denen sie zugeordnet sind.

Einstimmigkeit: Warum alle zustimmen müssen

Eine Besonderheit des österreichischen Systems: Beschlüsse im Ministerrat werden einstimmig gefasst. Jedes Regierungsmitglied hat damit faktisch ein Vetorecht. In einer Koalition, derzeit aus ÖVP, SPÖ und NEOS, bedeutet das, dass Vorhaben erst dann beschlossen werden, wenn sich alle Partner geeinigt haben. Oft werden Streitpunkte deshalb schon vor der Sitzung in Koordinierungsrunden ausverhandelt.

Was im Ministerrat beschlossen wird

Typische Tagesordnungspunkte sind:

  • Regierungsvorlagen: Gesetzesentwürfe, die anschließend dem Nationalrat zugeleitet werden, wie im Oktober 2026 das Binnenmarkt-Notfall- und Resilienzgesetz.
  • Verordnungen der Bundesregierung: etwa Änderungen der Vertriebenen-Verordnung oder Preisregelungen.
  • Berichte: zum Beispiel an die EU im Rahmen des Defizitverfahrens oder Rechnungshofberichte.
  • Personalentscheidungen: Ernennungsvorschläge an den Bundespräsidenten und Bestellungen in Gremien.
  • Staatsverträge und internationale Einsätze: etwa Verlängerungen von Auslandseinsätzen des Bundesheeres.

Die Ministerien bringen ihre Anliegen über sogenannte Ministerratsvorträge ein. Diese Dokumente erklären den Inhalt und schlagen einen Beschluss vor.

Muss eine Entscheidung rasch fallen und ist keine Sitzung angesetzt, etwa im Sommer, kann die Regierung einen Umlaufbeschluss fassen. Dabei stimmen die Regierungsmitglieder schriftlich zu. Auch hier gilt Einstimmigkeit. Umlaufbeschlüsse werden ebenso veröffentlicht wie reguläre Ministerratsbeschlüsse.

Ministerrat: Beschlüsse selbst nachlesen

Das Bundeskanzleramt veröffentlicht nach jeder Sitzung die Tagesordnung, die Ministerratsvorträge und ein Beschlussprotokoll auf seiner Website. Dort lässt sich nachvollziehen, welche Gesetze und Berichte die Regierung auf den Weg gebracht hat. Nach den Sitzungen gibt es außerdem häufig ein Pressefoyer, bei dem Regierungsmitglieder Fragen von Journalistinnen und Journalisten beantworten.

Was der Ministerrat nicht kann

Der Ministerrat beschließt keine Gesetze im eigentlichen Sinn. Er legt Entwürfe vor, entschieden wird im Nationalrat und Bundesrat. Auch das Budget muss vom Nationalrat beschlossen werden. Die Regierung ist dem Parlament gegenüber verantwortlich: Der Nationalrat kann einzelnen Ministerinnen und Ministern oder der gesamten Regierung mit einem Misstrauensantrag das Vertrauen entziehen. Dann muss der Bundespräsident die Betroffenen des Amtes entheben.

Für Bürgerinnen und Bürger ist der Ministerrat damit vor allem ein Frühindikator: Was mittwochs beschlossen wird, landet in den folgenden Wochen oft im Parlament und wird später Gesetz.

Ministerrat und Koalitionsalltag

Gerade in einer Dreierkoalition zeigt sich die Bedeutung des Einstimmigkeitsprinzips. Bevor ein Thema auf die Tagesordnung kommt, verhandeln die Regierungskoordinatoren der Parteien die Details. Gelingt keine Einigung, wird ein Punkt vertagt oder gar nicht eingebracht. Das erklärt, warum manche angekündigten Vorhaben länger auf sich warten lassen. Zum Start der Herbstsaison im September 2026 kündigte die Regierung etwa einen „Herbst der Ergebnisse“ an, bei einzelnen Projekten wie der Bundesstaatsanwaltschaft gab es aber weiterhin unterschiedliche Positionen.

Häufige Fragen

Wann tagt der Ministerrat?+

Der Ministerrat tritt in der Regel jeden Mittwoch im Bundeskanzleramt in Wien zusammen.

Muss der Ministerrat einstimmig entscheiden?+

Ja, Beschlüsse der Bundesregierung werden einstimmig gefasst. Jedes Regierungsmitglied muss zustimmen.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde KI-unterstützt erstellt und von der Redaktion geprüft. Mehr zur Kennzeichnung

Der Presseinfo-Brief

Die wichtigsten Nachrichten aus Österreich, jeden Morgen kostenlos im Postfach.

Mehr aus Politik