Firmenpleiten Österreich: KSV1870 zählt 19 Insolvenzen pro Tag
Mehr als 5.100 Unternehmen sind heuer bis Mitte September insolvent geworden. Besonders auffällig: Immer mehr Verfahren werden mangels Vermögen gar nicht eröffnet.
KI-generiertDie Firmenpleiten Österreich bleiben auf hohem Niveau. Laut Hochrechnung des Kreditschutzverbands KSV1870 mussten in den ersten drei Quartalen 2026 insgesamt 5.139 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das sind um 0,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und im Schnitt rund 19 Betriebe pro Tag. Stichtag der Auswertung war der 16. September.
Firmenpleiten Österreich: alarmierender Trend bei Abweisungen
Auffällig ist vor allem die Entwicklung bei den nicht eröffneten Verfahren. Rund 43 Prozent der Fälle, insgesamt 2.204, wurden mangels Kostendeckung gar nicht eröffnet. Das heißt, die betroffenen Firmen hatten nicht einmal genug Vermögen, um die Kosten eines Insolvenzverfahrens zu decken. Diese Fälle stiegen um 12,6 Prozent, während die Zahl der eröffneten Verfahren um 7,2 Prozent zurückging. Der KSV1870 bezeichnet diese Entwicklung als alarmierend.
Für Gläubiger ist das besonders bitter: Wird ein Verfahren nicht eröffnet, gibt es in der Regel keine Quote. Lieferanten, Vermieter oder Dienstleister bleiben dann meist auf ihren Forderungen sitzen.
Handel, Bau und Gastronomie am stärksten betroffen
Nach Branchen ergibt sich folgendes Bild:
- Der Handel liegt mit 861 Fällen weiter an der Spitze, verzeichnet aber um 3,5 Prozent weniger Insolvenzen. Die nicht eröffneten Verfahren stiegen hier allerdings um 17,2 Prozent.
- Das Baugewerbe folgt mit 719 Fällen, das ist ein leichtes Minus von 0,3 Prozent.
- Gastronomie und Beherbergung liegen auf Rang drei und legten um 9,8 Prozent zu. Als Gründe nennt der KSV hohe Betriebskosten und Personalmangel.
- Im Grundstücks- und Wohnungswesen ging die Gesamtzahl um zehn Prozent zurück, die nicht eröffneten Verfahren stiegen aber um fast 30 Prozent.
Passiva sinken, mehr Beschäftigte betroffen
Die geschätzten Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund sechs Milliarden Euro und liegen damit um sieben Prozent unter dem Vorjahr. Die bisher größte Insolvenz des Jahres ist jene der Laura Privatstiftung mit Passiva von rund 1,7 Milliarden Euro.
Von den Pleiten sind heuer bisher rund 15.700 Beschäftigte betroffen, ein Plus von 4,7 Prozent. Die Zahl der betroffenen Gläubigerinnen und Gläubiger stieg um 8,7 Prozent auf etwa 36.300.
Prognose und Forderungen des KSV1870
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der KSV1870 rund 6.800 Unternehmensinsolvenzen, also etwa so viele wie im Vorjahr. Der Gläubigerschutzverband fordert eine gesetzliche Regelung für Fälle, die mangels Masse abgewiesen werden. Außerdem spricht er sich gegen eine automatische Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge zum Insolvenz-Entgelt-Fonds aus, aus dem offene Löhne betroffener Beschäftigter bezahlt werden.
Was Betriebe daraus lernen können
Die Zahlen zeigen, wie wichtig ein funktionierendes Forderungsmanagement ist. Wer Kunden auf Rechnung beliefert, sollte deren Bonität prüfen, Zahlungsziele kurz halten und bei Verzug rasch reagieren. Für eigene Liquiditätsengpässe gilt: Je früher ein Unternehmen gegensteuert, desto größer sind die Chancen auf eine Sanierung statt eines Konkurses.
Bereits zur Jahresmitte hatte der KSV1870 rund 3.400 Firmenpleiten gezählt, ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahr. Damals fiel vor allem Vorarlberg mit einem Anstieg von 38 Prozent auf, während Tirol einen deutlichen Rückgang verzeichnete. Dass die Zahl nun über das Vorjahresniveau gestiegen ist, zeigt, dass sich die Lage im Sommer nicht entspannt hat. Ökonomen sehen in den hohen Energiepreisen, der schwachen Nachfrage am Bau und den gestiegenen Personalkosten die wichtigsten Belastungen für kleinere Betriebe.
Häufige Fragen
Wie viele Firmenpleiten gab es 2026 in Österreich?+
Laut KSV1870 waren es in den ersten drei Quartalen 5.139 Unternehmensinsolvenzen, im Schnitt rund 19 pro Tag.
Welche Branchen sind am stärksten betroffen?+
Am häufigsten betroffen sind Handel, Bau sowie Gastronomie und Beherbergung.
Was bedeutet mangels Kostendeckung abgewiesen?+
Das Unternehmen hat nicht genug Vermögen, um die Verfahrenskosten zu decken. Das Verfahren wird nicht eröffnet, Gläubiger erhalten meist nichts.
Quelle: Leadersnet
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